Lateinamerika rüstet auf




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Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon many » So 13. Dez 2009, 23:42

Lateinamerika
Lateinamerika rüstet auf
Brasilien an der Spitze bei Waffenkäufen.

Puebla. Brasilien kauft französische Atom-U-Boote und israelische Drohnen, Chile britische Fregatten, Venezuela russische Kampfjets, und sogar das Armenhaus Bolivien erwirbt russische Militärausrüstung. Die internationale Waffenlobby reibt sich die Hände. Steht Lateinamerika vor einem Rüstungswettlauf und einer neuen Ära der Konflikte? Davor warnte kürzlich der peruanische Außenminister Antonio Garcia Belaunde und schlug einen regionalen Nicht-Angriffs-Pakt vor. Die ständig wachsenden Militärausgaben seien absurd.

In der Tat haben sich innerhalb eines Jahrzehnts die Militärausgaben in Lateinamerika nach Angaben des Instituts für Friedensforschung in Stockholm (SIPRI) mehr als verdoppelt und beliefen sich 2008 auf 34 Milliarden Dollar. Dabei ist der Subkontinent in den vergangenen Jahrzehnten wirtschaftlich und politisch zusammengewachsen, von den bilateralen Animositäten, die zum Teil noch auf die Befreiungskriege zurückgehen, geht keine Kriegsgefahr aus. Und noch immer lebt rund ein Drittel der Bevölkerung Lateinamerikas in Armut. „Fast alle Länder der Region haben wenig Grund für wachsende Militärausgaben“, sagt der britische Rüstungsexperte Robert Munks von Jane´s Intelligence Weekly. Was also steckt dahinter?

Zum einen investieren viele Länder in die Modernisierung eines veralteten Arsenals. In Brasilien und Argentinien sind teilweise noch Flugzeuge aus dem Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Seit dem Ende der Militärdiktaturen in den 80er Jahren haben die Länder Lateinamerikas die Verteidigungsausgaben konstant zurückgeschraubt. Entsprechend antik sind die Waffensysteme. Der Konjunkturaufschwung der vergangenen acht Jahre hat die Kassen gefüllt –plötzlich war wieder Geld da für Waffenkaufe. Und alte Rivalitäten und Doktrinen kamen wieder zum Vorschein. So sieht sich Perus Armee gegenüber dem Nachbarland Chile – seit Jahren zusammen mit Kolumbien Spitzenreiter in den Militärausgaben und das Land mit der modernsten Rüstungstechnologie – im Hintertreffen. Auch das Argument der Bekämpfung des „Leuchtenden Pfades“, einer ehemaligen Guerillaorganisation, die in Allianz mit dem Drogenhandel in jüngster Zeit wieder von sich reden macht, wurde angeführt.

Zum anderen hat sich der Subkontinent ideolgisch polarisiert wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr. Dadurch könne die Aufrüstung einzelner Streitkräfte krisenverschärfend wirken, warnen Daniel Flemes und Detlef Nolte vom Giga-Institut in Hamburg. So hat die jüngste Entscheidung der USA, ihre Militärpräsenz in Kolumbien auszubauen und die IV Flotte zu reaktivieren, die Alarmglocken in der Region läuten lassen. Venezuelas Staatschef Hugo Chavez sah „Winde des Krieges“ wehen und fühlte sich persönlich bedroht. Offizielle venezolanische Militärdoktrin ist daher die Sicherung der Grenzen vor einer US-kolumbianischen Invasion. Auch der Putsch in Honduras, dessen Auslöser ein Machtkampf zwischen dem linken Präsidenten und der rechten Oligarchie des Landes war, weckte bei vielen ungute Erinnerungen an die ideologisch begründeten und von den USA unterstützten Militärputsche der 70 und 80er Jahre.

Zum dritten ist durch Brasiliens Aufstieg als Regionalmacht ein neues Element in das strategische Gleichgewicht gekommen. Brasilien ist inzwischen der größte Waffenkäufer der Region und gab 2008 23 Milliarden Dollar dafür aus. Unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva stieg der Militärhaushalt um 50 Prozent. Das Land sieht sich zunehmend als internationale Führungsmacht und übernimmt als solche auch immer mehr globale Verantwortung außenpolitischer Art – so etwa als Anführer der UN-Truppe in Haiti. Zur offiziellen Doktrin gehört auch, die Erdölvorkommen im Atlantik und die Ressourcen im Amazonas vor unbefugtem Zugriff zu schützen. Außerdem ist Brasilien die treibende Kraft hinter dem Südamerikanischen Verteidigungsrat, der in Zukunft einmal eine Art südamerikanische Nato werden könnte.


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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon Elk Woman » Mo 14. Dez 2009, 15:45

Hi, Many,

das klingt ja wirklich besorgniserregend !
Danke für den Beitrag, obgleich es ja wirklich kein gutes Anzeichen ist, was da wiedermal für verwinkelte Strategien sich entwickeln... :cry:
Wie Du auch schriebst , zahlt sich das ja vor allem für die Waffen Lobby aus - und der Weltfrieden ist vor neue Zerreisproben gestellt. Für die Ärmsten der Armen dort auch keine rosige Aussicht.

Was mich aber auch erschrocken hat : "Das Land sieht sich zunehmend als internationale Führungsmacht und übernimmt als solche auch immer mehr globale Verantwortung außenpolitischer Art – so etwa als Anführer der UN-Truppe in Haiti."

Wo findet man die Quelle für diese Hiobsbotschaft ?

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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon many » Mo 14. Dez 2009, 18:33

Hi Elk,

diesen Artikel habe ich unter

http://www.blickpunkt-lateinamerika.de/

gefunden. Anstoß gab mir ein Bericht in dem Heft Blickpunkt Lateinamerika, das ich über Adveniat beziehe. Dieses Heft erscheint jedes Quartal (kostenlos). Ich beziehe dieses Heft seit einigen Jahren, da ich eine kleine Schwäche :oops: für Lateinamerikaner habe, da meine früheren Spanischlehrer aus Lateinamerika stammten.
Diese Studie hat das Institut für Lateinamerika herausgegeben.
Ich wundere mich auch, dass es die ärmsten Länder, nicht nur die Industrieländer, es schaffen, trotz Finanzkrise aufzurüsten. Ich findes es besorgniserregend, dass Venezuela sich durch US-Truppen in Kolumbien provoziert sehen und Waffen von Russland kaufen. Tönt sehr nach Wettrüsten.
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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon Elk Woman » Mo 14. Dez 2009, 18:55

Hi, Many,

Danke für den Link,
wir werden das auf jeden Fall mit im Auge hier behalten, obgleich ich ja keine Lateinamerikaexpertin bin und das mir alles immer viel zu sehr "undurchsichtig" erscheint....
Aber, da haben wir ja die Expertin gefunden :P : Also wäre schön uns mit auf den Laufenden weiter zu halten.

Das die Russen wieder mitmischen...., sagt mir wiedermal alles ! (Die halten Andere auch für blöder als sie sind .. Sorry, aber ich trau den Brüdern nicht ... :roll: - Bekommen die dort ihre maroden Waffen noch abgesetzt ? )

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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon many » Mo 14. Dez 2009, 19:06

Hi Elk,

die Expertin für Lateinamerika bin ich nicht. Nur ein ganz kleines Licht. Ich gebe Dir recht, dass Lateinamerika zu undurchsichtig ist, was die Politik betrifft. Ich weiß auch gar nicht, ob die Nachrichten aus bestimmten Ländern, die wir erhalten, nicht gefiltert sind. Man denke nur an China.
Wenn USA irgendwo mitmischt, dann sind die Russen irgendwann auch mal in der Nähe präsent.
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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon Elk Woman » Mo 14. Dez 2009, 23:19

Frag ich mich auch manchmal, ob wir nicht nur den Kaffesatz lesen sollen der uns zugestanden wird; aber Gott sei Dank gibt`s noch Menschen die nicht nur konsumieren und auch mitdenken und da kommen einen, wenn man versucht logisch sich der Sache zu nähern ( ob man es alles so aus der Ferne und als Nichteingeweihter versteht oder nicht ..), doch oftmals Zweifel bei bestimmten Sachen und dem ewigen Macht- und Kräftezerren in der Welt, den Korruptionen die es im Kleinen oder Großen gibt .. etc. -

Ich geh mal zu dem Artikel "Umwelt Finanzhilfe für die Amazonasstaaten durch die Industrieländer " zurück, da auch zu dem Thema mir heute in den Nachrichten so paar Paralell-Sachen aufgefallen sind ..

LG,
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Re: Lateinamerika rüstet auf

Beitragvon Jana » Di 15. Dez 2009, 19:29

Hallo ihr beiden,

ich finde das neue Wettrüsten in Lateinamerika auch sehr bedenklich. Es scheint eine Art Naturgesetz zu sein, dass aufstrebende Länder die selben Entwicklungsstufen durchlaufen wie die reichen Nationen. Immerhin gab es ein jahrzehntelanges Wettrüsten zwischen den Russen und Amerika und auch innerhalb der europäischen Staaten. Aktuelle Beispiele sind auch noch: Indien und Pakistan, Nord- und Südkorea etc. Offenbar schürt das Streben nach Sicherheit für das eigene Land und Stabilität in der Welt den Wunsch nach militärischer Überlegenheit. Hier noch eine Meldung, die den Konflikt noch anheizen könnte:

Rechtsruck bei Präsidentenwahl in Chile

Santiago de Chile - Gegen den Trend in Südamerika hat es bei der Präsidentenwahl in Chile einen Rechtsruck gegeben. Der konservative Millionär Sebastián Pinera lag nach Auszählung fast aller Stimmen vorn. Nun steht eine Stichwahl im Januar an, weil der 60-jährige die für einen Sieg in der ersten Runde notwendige absolute Mehrheit verpasste. Die Chilenen ließen das Pendel nach rechts ausschlagen.

Quelle: Vogtland-Anzeiger vom 15.12.2009 S. 11

Dadurch entsteht vielleicht ein Gegenpol zu den eher links ausgerichteten Staaten Brasilien, Bolivien, Venezuela und Equador. Bin gespannt, wie das ausgeht und auf welcher Seite Kolumbien zu finden sein wird.

LG Jana
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